Veröffentlichungen

Buchvorstellung „Ost-West-Splitter“
Erzählt wird eine „Geschichte von unten“ (Sebastian Haffner), die das erste Jahrzehnt nach dem Fliegerangriff auf Cottbus umfasst.
Das Buch beginnt mit einer Szene in der Niederlausitz, in einer Schneiderei zwei russische Offiziersfrauen bei der Anprobe, der elfjährige Xaver, als Dolmetscher hinzugerufen, wird zum „Modeberater“. Das Buch endet („ahnungsvoll“) mit einer Traumszene vor der Berliner Gedächtniskirche.
„Ost-West-Splitter“ ist ein Tatsachenroman, eine Art „Bildungsroman“. In Szenen aus dem Alltag, auch komischen, wird beschrieben, wie sich Kinder in einer Zeit, die von Flüchtlingsströmen und dem allgemeinen Mangel geprägt ist, in einer „fremden Heimat“, in verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnissen zurechtfinden müssen und zu Jugendlichen heranwachsen.
Xaver Notbuk und seine Geschwister Silke und Klemens müssen auf ihre kranke Großmutter Sophie hören: sie werden zum Kartoffelstoppeln, Ährenlesen und zur Futtersuche für ihre Ziege und Kaninchen auf die Felder geschickt, sie müssen im Haushalt helfen und Schlange stehen beim Einkaufen, während ihre Mutter Gretel und Tante Hilde mit der Schneiderei das nötige Geld zum Lebensunterhalt verdienen. Wegen der Stoffknappheit haben sie schon 1945, vor Mary Quant, den Minirock kreiert.
Gretel korrespondiert mit Ilka, der Verlobten ihres inzwischen vermissten Bruders Oskar, die als 17-jährige Arbeits-Maid in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten war. Ilka berichtet u.a. aus Heidelberg und von der Odenwaldschule sowie von der Thaddenschule.
Indessen erleben Xaver und seine Geschwister in ihrer Welzower Schule „ideologische Fehlleistungen“, müssen klassenweise den Gleichschritt üben, zu Ostern 1946 zum  „Auferstehungsparteitag“ der SED, 1949 feiern sie die Gründung der Republik mit einer Rakete aus Zucker, dann geraten sie auch in den Aufstand des 17. Juni 1953, Klemens in Berlin, Xaver in Cottbus, und in den „verordneten Karneval“ 1954 sowie in ungewöhnliche, auch erotische, Konstellationen.  
Nach der Volksschulzeit trennen sich die Wege der Geschwister. Klemens wird schließlich Vorsitzender einer Revisionskommission der PGH Handwerk „Hans Sachs“, Silke ist für die Energieverteilung im Bezirk zuständig und Wolf wird zur Fortbildung an neuen Großturbinen in der Sowjetunion „abgeordnet“.
Xaver besucht die IV. Oberschule in Cottbus. Er singt im Auswahlchor der Schulen wie im Opernchor und er besucht fast jede Inszenierung im Stadttheater, das für ihn der attraktivste Ort ist. Oft stöbert er im Antiquariat von Drangosch. Der Konflikt zwischen Staat und Kirche kulminiert in der Kampagne gegen die „Junge Gemeinde“. Im Branitzer Park und im Spreewald botanisiert er viel mit Johannes Bisse, der später von Fidel Castro eingeladen wird, den Nationalpark in Kuba anzulegen.
Klemens und Xaver unternehmen Fahrradtouren und eine AWO-Tour durch die DDR, in Dresden berichtet ihnen der Bildhauer Rogge, wie Stalin ihm für eine Büste Modell gesessen hat.
Xaver, der nicht Mitglied der FDJ ist, darf als „Abweichler“ nicht studieren und wird von der Stasi überwacht. Im Städtischen Krankenhaus, wo ihn eine Stationsschwester zu „Sozialismus und Sex“ verführen will, absolviert Xaver ein Praktikum mit Auszeichnung, woraufhin ihm ein Studium an der Militärakademie Greifswald und der Parteihochschule der SED angeboten wird. Xaver flüchtet nach Westberlin. Im Zug verwickelt ihn eine Dozentin der Parteihochschule in eine heikle Diskussion und wirbt ihn für eine Funktion als „Kader“. In Wilmersdorf wird Xaver in einem kriegsbeschädigten Flüchtlingsheim untergebracht, das in einer Regennacht von Prostituierten „übernommen“ wird. Im Dezember 1956 wird Xaver mit einigen Flüchtlingen aus Ungarn in das noch im Bau befindliche internationale Studentenheim WWH aufgenommen, in dem er auch andere Kulturen und Religionen kennenlernt.
Xaver muss zur Erlangung der „Westreife“ das Abitur wiederholen, um studieren zu können. An der FU initiierte Xaver als Studentenvertreter im Januar 1961 die Universitätstage über „Marxismus-Leninismus“, die einen großen Zulauf hatten und auch von Kadern aus Ostberlin besucht wurden. Die Parteihochschule der SED änderte danach ihre Marx-Interpretation.
In den Semesterferien arbeitet Xaver als Werkstudent bei der BASF und trifft Ilka wieder.
Bei einer Tagung der „Collegia Politica“ auf Burg Aufseß lernt Xaver die Studentin Solveig kennen, die später in einem Brief an ihre Freundin Tinka die Geschichte Xavers erzählt.
Während Xaver mit einem Hapag Lloyd-Schiff den Atlantik überquert, um mit einem Fulbright-Stipendium an der Stanford University zu studieren, wird die Berliner Mauer errichtet.

 

 

  • „Ratatasch“, in Dokumente erlebter Zeitgeschichte, r. fischer 2006

  • „Spieglein, Spieglein Deutschlandlied“, dito, r. fischer 2006

  • „Die Kußbescheinigung“, in 30 Jahre, r. fischer 2007

  • „Der entsetzliche Ausflug“, in Collection deutscher Erzähler 2007

  • „Nebenwirkungen“, in Dok. Zeitgeschichte, r. fischer 2007

  • „Eine Rakete aus Zucker“, in Dok. Zeitgeschichte, r. fischer 2007

  • „Drei Streichhölzer und ein blauer Stift oder Kindheit und frühe Jugend im Krieg“ Eine

    mehrstimmige Fragmentcollage, Goethe-Verlag 2009

  • „Zur Problematik des Art.137 WRV i.V.m. Art,140 GG“ , 1966

  • Funkmanuskripte zur Hochschulpolitik, SFB und RIAS,  1968-1973

  • „Thesen zur Reform der Juristenausbildung“ in Recht und Politik, 1969

  • „Zur Integration von Theorie und Praxis“ in Neue Juristenausbildung, Luchterhand 1970